Anscheinend hat nicht nur Elon Musk ein Faible dafür, Dingen und Kindern einen komischen Namen zu geben. Denn Publisher EastAsiaSoft war so freundlich, mir einen XBox Review Code für das etwas merkwürdig betitelte 3D Don’t Die, Mr Robot des Entwicklerstudios Infinite State Games zur Verfügung zu stellen. Das Spiel, das kürzlich für knapp 10 EUR auf allen aktuellen Systemen und deren Vorgängerplattformen veröffentlicht wurde, ist dabei keine Petition für eine weitere Staffel der düsteren Hacker-Serie, sondern ein puristischer Arcadetitel und der dreidimensionale Nachfolger von Don’t Die, Mr Robot. Hatte ich angesichts der Screenshots zunächst einen handelsüblichen Twin-Stick Shooter vermutet, wurde ich eines besseren belehrt, als weder linker Analogstick noch Trigger irgendwelche Waffen sprechen ließen, sondern lediglich die Kameraperspektive auf das stets komplett sichtbare Spielareal änderten. Am besten als Dodge-em-up bezeichnet verzichtet D3 Don’t Die, Mr Robot außerhalb der Menüs komplett auf jegliche Tastenaktionen und beschränkt sich darauf, den Protagonisten in Form eines stummelbeinigen blauen Würfels über das Spielfeld zu steuern, um den von den Seitenrändern auftauchenden Gegnern auszuweichen. Komplett wehrlos ist der kleine Kubus aber nicht. Denn Rasch füllt sich die Arena nicht nur mit allerlei Widersachern, sondern auch mit Früchten, die aus nicht näher genannten Gründen bei Berührung explodieren. Das ist zwar für die eigene Spielfigur harmlosen, aber bestens dazu geeignet, sowohl Feinde in Mitleidenschaft zu ziehen, die sich im Sprengradius befinden, als auch benachbartes Obst zur Detonation zu bringen. Und so muss man stets abwägen, ob man sich schnell einer lästigen Bedrohung entledigen will, oder doch besser noch länger versucht, den umgehend tödlichen Kontakt zu vermeiden, um anschließend in einer bildschirmfüllenden Kettenreaktion alle aktuellen Feinde auf einen Schlag auszuschalten und dank Multiplikatoren massig Punkte einzusammeln. An die zunächst etwas abrupte, unmittelbare Steuerung des blauen Blobs hat man sich dabei schnell gewöhnt und navigiert ihn behände zwischen allen Gefahren hindurch. Die gute Handvoll verschiedener Gegnertypen zeichnet sich spielhallentypisch durch klare Bewegungsmuster aus und reicht von Raketen und Minen, die gradlinig ihre Bahnen ziehen, über zielsuchende oder sich schlängelnde Antagonisten bis hin zu laserverschießenden Kanonenpaaren und massigen Monsterquadern, die nicht nur unzerstörbar sind, sondern sich auch die rettenden Vitaminbomben auf ihrem Pfad einverleiben. Durch den steten Nachschub an Hindernissen und Hilfsmitteln entsteht ein hektisches Gameplay, dass in vier verschiedenen Spielmodi zum Einsatz kommt.

Während es im Arcademodus gilt, bei der Jagd nach dem weltweiten Highscore solange wie möglich zu überleben, stehen einem beim Zeitangriff dafür zwar theoretisch beliebig viele Leben, aber nur zweieinhalb Minuten und ein Punktabzug bei Feindberührung zur Verfügung. Wie es der Name bereits andeutet verbirgt sich hinter Chill Out eine entspannte Abwandlung, die mit weniger und deutlich langsameren Gegner auskommt. Mit ihrem Fokus auf Höchstpunktzahlen und einer minimalen, auf Wiederholungen ausgelegten Spielzeit von wenigen Minuten stehen diese drei Varianten ganz klar in der Tradition der Groschengräber der Spielhallen und unterstreichen den Arcade-Charakter von 3D Don’t Die, Mr Robot deutlich. Der Menüpunkt Remix macht dagegen klar, dass der Titel auch als Heimversion seine Daseinsberechtigung hat. 50 unterschiedliche Level tauschen nicht nur die große, rechteckige Spielfläche der anderen Varianten gegen verschiedenst geformte Arenen mit teilweise schützenden Barrieren aus, sondern variieren auch andere Parameter wie Größe der Figuren und Explosionen oder werfen mit schädlichen Bomben und „flüchtenden“ Früchtchen neue Elemente in den Ring. Jeder dieser Abschnitte stellt eine eigene Zielvorgabe auf Basis der bekannten Spielmechanik wie Punktezahl, gesammeltes Obst oder auch knapp passierte Gegner, die je nach Erfolg mit Bronze-, Silber-, Gold oder Platin-Pokalen zur Freischaltung weiterer Passagen belohnt wird. Etwas schade ist, dass ein Level umgehend beendet wird, sobald die Anforderung für die edelste Auszeichnung erfüllt wird. Denn einerseits bietet 3D Don’t Die, Mr Robot ein erfrischend puristisches Spielvergnügen, das auf einem sehr überschaubaren Regelwerk basiert und nicht zwangsweise um Rouge-Like-Elemente oder eine langfristige Auflevelmechanik erweitert wurde, andererseits wirkt das Spiel dadurch etwas simpel und abwechslungsarm. Separate Leaderboards für jeden Remix-Abschnitt könnten hier meiner Meinung nach Abhilfe schaffen. Zumindest sorgen die Münzen, die man kontinuierlich von gesprengten Feinden erhält und die an einem einarmigen Banditen in zahlreiche, zufällig vergebene Kopfbedeckungen, Brillen, Körper- und Schuhfarben investiert werden können, für etwas Langzeitmotivation jenseits des eigentlichen Spielgeschehens. So kann man Mr. Robot mit der richtigen Farbkombination beispielsweise entfernt wie einen Minion oder Kirby aussehen lassen.
Gerade die Optik kommt dabei im wahrsten Wortsinne ein wenig zwiespältig daher, verbindet sie doch zwei recht unterschiedliche Grafikstile. Zu den abstrakten, in Neonfarben leuchtenden und mit einem netten Pixeleffekt animierten Spielfeldern und Hintergründen gesellen sich schlichte Cartoon-Modelle in kräftiger Kolorierung mit Cellshading-Anmutung und großen Kulleraugen. Auch die Explosionseffekte sind eher farbenfroh denn technisch spektakulär. Damit reicht 3D Don’t Die, Mr Robot sicherlich nicht an die stylische Präsentation beispielsweise der Geometry Wars Serie heran, doch der immerhin zweckmäßige Look sorgt in der Regel selbst im dichtesten Gedrängel zumindest für ein Mindestmaß an Übersichtlichkeit und ist sicherlich auch zumindest teilweise der überschaubaren Größe des Entwicklerteams von vermutlich nur zwei Personen geschuldet. Dass eine einheitliche Visualisierung nicht zwingend die bessere Alternative wäre, zeigt währenddessen die Chill Out Spielart, die die vereinfachten, flächigen Gitter-Szenarien gegen eine grasbewachsene Insellandschaft austauscht, die zwar stimmiger zu den anderen Elementen passt, aber auch regelrecht als hässlich bezeichnet werden kann.

Wirklich gelungen ist indes der überraschend umfangreiche Soundtrack. Zwar würde ich der Titelauswahl kein Chart-Potential bestätigen, die treibenden Elektrobeats mit teilweisen Dubstep-Anleihen passen jedoch (noch immer) hervorragend zum actiongeladenen Treiben auf dem Bildschirm und haben dank einiger bizarrer Sounds nebst schrägen Robotersamples durchaus einen eigenen Stil. Besonders das etwas gedämpfte Stück, das im von Glitch-Effekten durchzogenen Pause-Menü erklingt, seien hier positiv erwähnt, hat mir die von einer verzerrten Roboterstimme vorgetragene „PAUSED … THE GAME IS PAUSED“-Zeile doch ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert. Zudem werden wichtige Ereignisse wie besonders beeindruckende Kaskaden, erreichte Zwischenziele oder verbleibende Zeit von einer anscheinend obligatorischen, bewusst sachlichen, mechanisch-monotonen Frauenstimme kommentiert. Da jedoch jeder Level und jeder Spielmodus seine fest zugewiesene Musik hat, wird man vor allem die Lieder des Arcade- und Timeattack-Modus zu hören bekommen, während andere vermutlich etwas zu kurz kommen. Darüber hinaus missfällt mir etwas die um einen Hauch zu lange Einleitungsphase bei einem Neustart, ist dieser angesichts einer Überlebensdauer, die in Sekunden gemessen werden kann, doch unumgänglich und regelmäßig. Hier hätte ich mir die Möglichkeit zur unmittelbaren Wiederholung per Knopfdruck gewünscht, wie sie beispielsweise in Splatformern üblich ist.

Alles in allem ist 3D Don’t Die, Mr Robot ein gelungener und spaßiger, wenn auch nicht sonderlich komplexer oder umfangreicher Arcadetitel, der sich auf eine zentrale Spielmechanik konzentriert und damit in bester Tradition klassischer Automaten der goldenen Ära wie Robotron 2084, Food Fight oder Missile Command steht. Mit trippigerer Präsentation und mehr Nutzvieh wäre er auch eines Jeff Minters würdig. Für wen es nicht immer nur das cineastisch inszenierte Actionfeuerwerk oder 80-stündige Rollenspiel sein muss, sollte 3D Don’t Die, Mr Robot spätesten in einem Sale ein Blick wert sein.